Heute ist ungefähr jeder zehnte Familienverbund gemischt. Vor gut zehn Jahren, 2006, lebten bereits 2,3 Millionen Familien als Patchwork zusammen. Damit die sogenannte Patchwork Familie funktioniert, sollten ein paar Regeln beachtet werden. So schön es auch ist, nach einer Trennung mit Nachwuchs wieder eine neue Liebe gefunden zu haben, gibt es Einiges zu bedenken. Dazu zählen beispielsweise, welche Rechte die Erziehungsberechtigten und ihr Nachwuchs haben. Welche Pflichten ergeben sich? Wie sieht es mit Sorgerecht und Unterhalt aus?

Was ist eine Patchwork Familie eigentlich genau?

In der Vergangenheit waren die Begriffe „Stiefvater“ oder „Stiefmutter“ gebräuchlich, wenn Elternteile eine Beziehung mit einem neuen Partner eingegangen sind. Heute nennt man diese frisch zusammengewürfelte Lebenspartnerschaft „Patchwork Familie“. Das klingt viel lockerer und ohne bösen Nebengeschmack. Eine ganz normale Kleinfamilie besteht meistens aus einer Mama, einem Papa und mindestens einem Kind – das ist aber schon länger nicht mehr die Regel. Familienforscher behaupten, dass ca. 7 bis 13 Prozent der deutschen Familien heutzutage als Patchwork Familie zusammenleben. Eine genaue Statistik gibt es hierzu allerdings noch nicht.

Wie setzt sich eine Patchwork Familie zusammen?

Familienmitglieder einer Patchwork Familie auf der Couch

Eine Patchwork Familie ist für jedes Familienmitglied eine Herausforderung. Doch wenn sich alle an ein paar Regeln halten, ist die Wahrscheinlichkeit für eine friedliche und schöne Beziehung im Familienleben gegeben. ©iStock/Catalin205

Hier bringt entweder die Mutter den eigenen Nachwuchs mit, oder der Vater bringt die Zöglinge mit in die Beziehung. In der dritten Variante sind die Heranwachsenden von beiden Seiten jetzt neue Familienmitglieder. Auch leben in der Patchwork Familie Kinder, die aus einer oder mehreren früheren Beziehungen beim Ex-Partner bestehen – sie besuchen das jeweils andere Elternteil oft am Wochenende. Gemeinsamer Nachwuchs aus der neuen Beziehung kommt häufig dazu.

Man kann sagen, dass jede Familie dieser Art anders ist.

  • anders in ihrer Zusammensetzung
  • anders in der Entstehungsgeschichte
  • anders im Familienleben

Hier gibt es keine Patentrezepte, die einzelne Familienmitglieder zu einer gut funktionierenden Familiengruppe entstehen lassen. Doch, wenn hier ein paar Grundregeln für ein gutes Miteinander für Alle beachtet werden, finden gerade in den Anfängen Erleichterungen statt.

Wer erhält das Sorgerecht bei einer Patchwork Familie?

Geht eine Scheidung vonstatten, wo auch der Nachwuchs betroffen ist, teilen die Erwachsenen sich in der Regel das gemeinsame Sorgerecht. Besteht in dieser Angelegenheit eine eheähnliche Gemeinschaft, kann beim örtlichen Jugendamt das gemeinsame Sorgerecht ohne Probleme beantragt werden. Wenn nur ein Elternteil bislang das alleinige Sorgerecht hatte, greift ein neues Gesetz.

Auch beim jetzt entstehenden gemeinsamen Sorgerecht, beispielsweise in Fragen zum Alltag, ist weiterhin der Partner zuständig, bei dem der Zögling gelebt hat. Wenn es um Schlafenszeiten und den Fernsehkonsum geht, normale Arztbesuche anstehen und Besuche bei Freunden und umgekehrt, kann der Wunsch des neuen Elternteils einfach ignoriert werden. Anders sieht es aus, wenn Entscheidungen zum Kindergarten oder der Schule auftauchen.

Wie akzeptiert ein Patchwork-Kind das Leben mit dem neuen Elternteil leichter?

Eltern in einer Patchwork Familie

Bei einer Patchwork Familie versucht der neue Elternteil besonders positiv bei den Kindern aufzutreten und vieles durchgehen zu lassen um besser aufgenommen zu werden. Wichtig ist hierbei jedoch das Gleichgewicht, damit die/der Neue dennoch als Respektsperson anerkannt wird. ©iStock/LSOphoto

Entsteht eine neue Beziehung, ergibt sich ein neuer Partner für das andere Elternteil und ein neuer Erziehungsberechtigter für den jungen Menschen. Nicht selten tut sich ein neuer Freundeskreis auf und manchmal auch eine neue Umgebung. Wer mit so viel Neuem konfrontiert wird, braucht erst mal Zeit.

Vielleicht machen neue Familien dann unter Umständen den Fehler, dass sie gerade anfangs die Erwartungen zu hoch schrauben. Sie denken, wenn der neue Partner eingezogen ist, steht einer perfekten Harmonie in der Beziehung nichts mehr im Wege. Und dann stellen manche Paare ernüchtert fest, dass diese Illusion wie eine Seifenblase zerplatzt. Dann werden die Partner mit der Realität, dem Widerspruch von ihren Vorstellungen, konfrontiert. Wer hier zu schnell auf „Normal“ drängt, überfordert in erster Linie schon mal die Kinder, dann den Partner und selbstverständlich auch sich selbst. Eine Patchwork Familien-Trennung könnte in dem Fall eintreten.

Gibt es eine Patentformel für einen guten Patchwork Familien-Start?

Diese Frage kann eindeutig mit einem Nein beantwortet werden. Wenn der neue Partner seiner Patchwork Familie vorgestellt werden soll, bieten sich zum Beispiel gemeinsame Ausflüge dafür an. Wichtig ist immer, dem Nachwuchs genügend Zeit zu geben. Kinder fühlen sich schnell übergangen und benötigen Zeit um eine Beziehung aufbauen zu können – eine behutsame Einführung der Erwachsenen sollte deshalb höchste Priorität haben. Der Nachwuchs reagiert immer verschieden auf neue Situationen.

  • Säuglinge und Kleinkinder brauchen ihre Hauptbezugsperson für ihre Sicherheit und Zufriedenheit. Wenn diese Bezugsperson nach der Trennung bleibt, wird diese leichter verkraftet.
  • Es wird immer wieder beobachtet, dass Kindergarten- und Vorschulalter-Kids mehr Zeit brauchen, um die Trennung der Eltern zu verarbeiten. Sie trauern regelrecht und geben oft sich die Schuld für diese neue Situation. Diese Schuldgefühle übertragen die lieben Kleinen dann nicht selten auf den neuen Erwachsenen. Wut und Zorn sowie Eifersucht können sich auf die Stief-Familie übertragen. Der neue Partner darf hier gerne darauf vorbereitet werden – mit dem Hinweis, solche Reaktionen nicht allzu persönlich zu nehmen. Der Nachwuchs braucht Zeit und gewöhnt sich meist Stück für Stück an den neuen Zustand.
  • Liegt das Alter zwischen sechs und zwölf Jahren, ist es oft am schwersten, neue Elternteile zu akzeptieren.

Wie umgehe ich den Loyalitätskonflikt in der Patchwork-Familie ?

Der liebe Anhang liebt die in Trennung lebende Mutti oder Vati. Da nun auch noch die sogenannte Ersatzmama oder der Ersatzpapa kommt, können sie in einen Loyalitätskonflikt geraten. Wenn sie gut mit dem neuen Partner klarkommen, fühlen sie sich vielleicht als Verräter, was die alte Liebe zum Elternteil betrifft. Es sollte geklärt werden: „Was ist eine Patchwork Familie überhaupt?“. Der neue Partner sollte möglichst davon Abstand nehmen, versuchen zu wollen, die vorangegangenen Familienoberhaupte zu ersetzten. Vielmehr sollten Stiefmutter oder Stiefvater auch den Kleinsten mit Respekt begegnen und ihnen eine Freundschaft anbieten. Wertvolle Tipps geben hier auch die Jugendämter.

Wie steht es um die Autorität des neuen Partners?

Meist verstehen Jugendliche die Beweggründe der Trennung besser, haben aber oft Probleme damit, den neuen Partner als Autoritätsperson anzuerkennen. Wenn beide Partner Kleinkinder oder Jugendliche mit in die neue Situation einbringen, ist es wichtig, dass ausführliche Gespräche stattfinden und darin Ängste und Befürchtungen geäußert werden. Heranwachsende brauchen das Gefühl, dass Sie ernstgenommen werden und, dass die neue Situation der Liebe zu ihnen keinen Abbruch erleidet und ungetrübt weiter bestehen bleibt. Die neue Schwester oder der neue Bruder werden anfangs vielleicht in die Rolle des Konkurrenten gedrängt. Faire Patchwork Familien-Regeln helfen hier weiter.

Weitere Fragen und Antworten zum Thema Patchwork Familie

Die Patchwork Familie zu Weihnachten

Unternehmungen mit den Kindern und Verwandtenbesuche sollten gemeinsam geplant werden. Auch, ob an Heiligabend beschert werden soll oder lieber morgens am 1. Weihnachtstag. Dabei einen zeitlichen Puffer lassen und für Improvisationen offen sein.

Funktioniert die Patchwork Familie als Fernbeziehung?

Die Patchwork Familie entsteht ja meist zunächst als Fernbeziehung und lässt sich mit viel Geduld, Respekt und Verständnis auch so weiterführen. Gespräche und Offenheit sind dabei besonders wichtig.

Wie sieht es mit Unterhaltszahlungen aus?

Hier stehen die lieben Kleinen immer an erster Stelle. Unterhalt bekommen die Elternteile, die nicht arbeiten (können) oder in einer Teilzeitbeschäftigung sind.