In einer konventionellen Partnerschaft oder Ehe herrschen Erwartungen, deren Erfüllung sich beide Seiten wünschen. Eine offene Beziehung lebt dagegen von einer Erweiterung der Selbstbestimmung. Innerhalb dieser offenen Beziehung haben meist beide Partner die Freiheit, selbstbestimmt andere Sexualpartner einzugehen. Dieses Prinzip ist spannend, macht Lust auf mehr, perfekt für offene Paare – aber auch ein reges Diskussions-Thema.

Seit wann ist die offene Beziehung ein öffentliches Thema?

Im Jahr 1972 kam es zum ersten Mal öffentlich im Fernsehen zu einer Diskussion zum Thema offener Beziehung, nachdem „Open Marriage“ von George und Nena O’Neill veröffentlicht wurde. Damit wurde eine grundlegende Diskussion zwischen zwei „Ideologien“ angefeuert, bei der einerseits Sex nur innerhalb der Ehe legitim ist und andererseits Sex als eine eigenständige Erfahrung zu betrachten ist.

Wichtig: Bei der offenen Beziehung handelt es sich nicht um Polyamorie, obwohl die offene Partnerschaft zum Teil als Synonym für diese Beziehungsart verwendet wird. Bei der Polyamorie geht es darum, mehrere Bindungen – auch emotional – zu anderen Partner einzugehen. Bei einer offenen Beziehung fokussiert sich diese Offenheit dagegen vorrangig auf den sexuellen Part.

Beispiele für eine offene Beziehung

Wann ist es eine offene Beziehung? Und wann eine andere Beziehungsart?

  • Swinger: Wenn beide Partner vereinbaren, dass Sexkontakte auch außerhalb der Beziehung erlaubt sind und diese „Vereinbarung“ vor allem als Paar (mit anderen Paaren) oder als Paar mit Einzelpersonen ausleben, dann handelt es sich in der Regel um Swinger. Diese Paare führen zwar eine offene Beziehung, aber keine polyamouröse Partnerschaft. Oft handelt es sich allerdings auch nicht um eine richtige offene Partnerschaft, sondern „nur“ um eine situationsbedingte Offenheit, z.B. dem Partnertausch im Swingerclub.
  • Komplett offene Beziehung: Wenn jeder der Lebensgefährten selbstbestimmt entscheiden kann, wann und wo und mit wem er sexuell tätig werden möchte, handelt es sich um eine vollständig offene Partnerschaft. Typisch für diese Beziehungsform fokussiert sich die „Offenheit“ aber nur auf sexuelle Kontakte und in der Regel nicht auf emotionale Ebenen.

Offene Beziehung vs. Fremdgehen

Wer von einer offenen Partnerschaft hört, spaltet sich sogleich in drei Lager.

  1. Die erste Personengruppe ist entsetzt und vermutet, dass es sich bei einer offenen Partnerschaft rein um die Erlaubnis geht, fremdgehen zu dürfen.
  2. Für die zweite Personengruppe ist die offene Beziehung zwar selbst nichts, aber sie können verstehen, weshalb Menschen diesen Beziehungsstil wählen und verurteilen ihn nicht.
  3. Für die dritte Personengruppe ist eine offene Partnerschaft entweder interessant oder sie leben selbst in einer offenen Partnerschaft oder Ehe.

Doch was ist dran an den Vorwürfen, dass dies nur eine Fremdgeh-Lizenz ist? Viele Menschen haben sich bereits an diesem Konzept versucht und sind als Paar gescheitert – viele andere Paare daran auch gewachsen. Das allein zeigt bereits, dass es jeweils individuell auf das Paar ankommt, das diesen Versuch wagt.

Wichtig: Gerade bei „ausweglosen Situationen“, wie einer bevorstehenden Trennung, massiven Problemen in der Beziehung oder generellen Fremdgeh-Tendenzen, ist eine offene Beziehung meistens nicht das richtige Mittel der Wahl. Natürlich kann eine offene Partnerschaft eine kriselnde Beziehung durchaus retten, aber hierbei sind nicht gerade wenige Anforderungen zu bewältigen.

Offene Beziehung: Regeln der offenen Partnerschaft

Regeln in einer offenen Beziehung

Damit eine offene Beziehung gut funktioniert müssen beide Partner gewisse Regeln beachten.

Wer eine offene Beziehung führt, ist damit nicht nur „offen für neue Sexualpartner“, sondern muss auch generell sehr offen mit seinem eigenen Partner umgehen. Für eine/n Lebensgefährten/-in ist es wichtig zu erkennen, dass der andere Partner nicht ihm oder ihr gehört, sondern sich selbst. Aus diesem Grund sind Geheimnisse in einer wirklich offenen Beziehung tabu – auch die Offenlegung über die sexuelle Anziehung gegenüber Dritten.

Die Regeln für eine offene Partnerschaft sind das A und O, wenn die neue Beziehungsart funktionieren soll. Natürlich kommt es immer auf die einzelnen Paare an, die jeweils noch ganz eigene Regeln oder abgewandelte Regeln aufstellen.

  1. Beide Lebensgefährten müssen sich freiwillig für die offene Beziehung entscheiden – es darf kein Zwang herrschen, die offene Partnerschaft darf nie „nur dem Partner zuliebe“ eingeführt werden.
  2. Befürworter der offenen Beziehung predigen, dass Treue nichts mit Sex, sondern mit Vertrauen zu tun hat. Vertrauen muss daher in einer guten, offenen Beziehung das A und O sein.
  3. Zum Erfolg dieses Beziehungsmodells gehört vor allem die Kommunikation der Lebensgefährten, das offene Sprechen und die offenen Gedankengänge, die laut ausgesprochen werden.
  4. Beide Partner müssen in einer offenen Beziehung auch akzeptieren, dass sie nicht dem jeweils anderen Lebensgefährten gehören und dieser nicht ihnen – beide Partner sind selbstbestimmt.
  5. Die „Regeln“ der offenen Partnerschaft müssen im Vorfeld (!) und sehr detailliert besprochen werden. Nur so kann das Konzept funktionieren, damit beide Partner wissen, ob sich die offene Beziehung rein auf den Sex mit allen Kontakten, nur mit befreundeten Kontakten, nur mit Urlaubskontakten, nur mit Fremden etc. bezieht. Sind Auswärts-Übernachtungen tabu? Ist die offene Partnerschaft rein auf die gemeinsame Zeit beschränkt oder genau während dieser Zeit nicht erlaubt? Wie viel soll und darf über das externe Abenteuer berichtet werden? Das und mehr muss individuell und detailliert geklärt werden, denn nur so kann das Konzept aufgehen.

Offene Beziehung – häufige Fragen und Antworten

Wenn es um offene Beziehungen geht, dann gibt es viele Fragen zur Eifersucht, Liebe, Treue und mehr. In unserer FAQ klären wir das Wichtigste.

Wer führt eine offene Beziehung?

Bei der Frage, für wen diese Art der Beziehung passend ist, kommt es ganz individuell auf den Menschen an. Es kann sich um Personen mit Bindungsangst handeln oder um Menschen, die sich ungern verbindlich auf jemanden einlassen wollen. Auch die Angst, noch etwas im Leben zu verpassen, kann ein Grund für eine offene Partnerschaft sein. Die Angst, seinen Lebensgefährten zu verlieren – demnach der „letzte Ausweg“ einer Beziehung, ist ebenfalls oft das Motiv dieses Beziehungswechsels.

Häufig kann es auch passieren, dass eine Trennung nicht als notwendig angesehen wird oder gar nicht erwünscht ist, sodass eine offene Beziehung eine gelungene Alternative darstellen kann. Auch eine solche Beziehung mit Kindern ist kein Problem, wenn beide Partner auch hier offen darüber sprechen, welche außerehelichen Aktivitäten erlaubt sind und in welchen Bereichen des Lebens das gemeinsame Eheleben dagegen im Vordergrund steht.

Was spricht für eine offene Beziehung?

Es gibt viele Vorteile, die für dieses Beziehungsmodell sprechen. Die „Offene Beziehung“-Psychologie zeigt allerdings, dass es nicht einfach ist, das Modell auch zu überstehen. Für beide Partner ist es durchaus eine große Herausforderung, mit den neuen Regeln zurechtzukommen, Eifersucht abzustellen, Vertrauen zu hegen und gleichzeitig sein eigenes Leben glücklich und selbstbestimmt zu führen. Sie sollten sich daher sehr gut selbst kennen und Ihre Ängste stets im Griff haben – gleichzeitig müssen Sie auf einen Partner treffen, dem es genauso geht.

Was tun, wenn der Partner eine offene Beziehung will?

Diese Frage lässt sich auf zwei Arten beantworten. Wenn auch Sie eine offene Beziehung wünschen oder tendenziell nicht abgeneigt sind, dann besprechen Sie den Wunsch Ihrer/-s Lebensgefährten/-in in Ruhe. Hören Sie ihm oder ihr zu und versuchen Sie zu verstehen, was die Motive des Vorschlags sind. Gehen Sie auch damit konform, dann stecken Sie die Regeln ab und probieren Sie es testweise aus.

Allerdings sollten Sie das in jedem Fall nur dann tun, wenn Sie ein gutes Gefühl haben. Eine offene Partnerschaft ist definitiv nicht für Sie geeignet, wenn Sie nicht selbst die gleichen Gefühle und Gedanken wie Ihr/e Lebensgefährte/-in zum Thema hegen.

Wann macht eine offene Beziehung Sinn?

Eine offene Partnerschaft kann in vielen Situationen sinnvoll sein, vielleicht sogar hilfreich, um Beziehungen neu aufleben zu lassen, die Spannung und das Bauchkribbeln zurückzuerobern und vielleicht auch, um eine Partnerschaft oder Ehe sogar zu retten. Natürlich ist das nicht die Regel, denn es kommt immer auf den Einzelfall an, wann eine offene Beziehung sinnvoll wäre.

Wie mit offener Beziehung umgehen?

Wenn Sie sich selbst für eine offene Partnerschaft entschieden haben oder den Vorschlag Ihres Partners mit guten Gewissens annehmen, dann ist es einfach, mit dem Thema umzugehen. Sie müssen im Vorfeld alle detaillierten Regeln und Details festlegen, damit beide Lebensgefährten in jeder Situation und an jedem Ort wissen, was erlaubt ist und was nicht.

Wie läuft eine offene Beziehung?

Wenn Sie sich für eine offene Partnerschaft entschieden haben, müssen Sie im Vorfeld all die Details besprechen, die für den ersten Versuch ausschlaggebend sind. Besprechen Sie jede Situation, jeden Ort, jede Zeit und jeden Gedanken und hinterfragen Sie auch die Motive Ihres Partners. Anschließend können Sie den ersten Versuch starten und auch danach noch intensiv besprechen, wie es sich für Sie und Ihren Partner angefühlt hat und ob Sie diesen Weg auch weiterhin gemeinsam gehen wollen.

Wie kann eine offene Beziehung funktionieren?

Eine offene Partnerschaft lebt von der Offenheit – nicht nur die Offenheit für neue Sexualpartner, sondern vor allem (!) die Offenheit Ihrem eigenen Partner gegenüber. Nur mit Ehrlichkeit, Vertrauen, Offenheit und Kommunikation lässt sich dieses Modell der Partnerschaft bewältigen.

Wie führe ich eine offene Beziehung?

Die Erfahrungen zeigen, dass das Führen der Partnerschaft im Grunde genommen ganz einfach ist, wenn alle Regeln klar abgesteckt und definiert sind. Wenn Sie auch nach Ihren ersten „Versuchen“ als offenes Paar darüber sprechen, wie es sich für Sie angefühlt hat und ob dies der richtige Weg ist, könnte es auch zukünftig ein passendes Modell für Sie sein.

Wie schlage ich eine offene Beziehung vor?

Wenn das Thema offene Beziehung aufgrund von Eifersucht gar nicht zur Sprache kommen kann, dann sollten Sie es am besten auch nicht tun. Wenn Sie jetzt schon wissen, dass Ihr Partner sehr eifersüchtig ist, einnehmend oder bereits klar Position bezogen hat, dann müssen Sie dies auch genauso akzeptieren, da eine offene Partnerschaft nie einseitig funktionieren kann (genau dann wäre es Fremdgehen).

Wenn Sie dagegen das Gefühl haben, dass dieses Partnermodell für Ihre/n Lebensgefährten/-in passen könnte und er oder sie sich damit absolut wohlfühlen würde, dann – und am besten nur dann – können Sie das Thema vorschlagen. Vielleicht erzählen Sie Ihrer/-m Lebensgefährten/-in von aktuellen Berichten zu diesem Thema und hinterfragen dadurch seine grundlegende Meinung.

Ist er oder sie sofort abwertend und abweisend, dann wissen Sie Bescheid. Äußert er sich eher „zurückhaltend“, könnte das ein Zeichen von einem leichten Interesse sein. Gehen Sie auf Tuchfühlung und sprechen Sie das Thema nach einer Weile ganz offen an.

Warum will mein Lebensgefährte eine offene Beziehung?

Stehen Sie vor der Situation: „Er will eine offene Beziehung“ – Sie allerdings wissen noch nicht, ob das auch etwas für Sie ist? Wichtig ist, dass Sie sich darüber im Klaren werden, ob Sie eine offene Partnerschaft eingehen würden und wenn ja, unter welchen Aspekten und mit welchen Regeln. Nur mit einer gemeinschaftlichen Entscheidung kann diese offene Beziehungspolitik funktionieren.

Warum will meine Lebensgefährtin eine offene Beziehung?

Wenn es bei Ihnen dagegen heißt „Die Frau will eine offene Beziehung bzw. Ehe“ oder Ihre „Freundin will eine offene Partnerschaft“, dann ist das ebenso ein gemeinsames Thema wie umgekehrt. Besprechen Sie den Wunsch ganz offen und versuchen Sie zu verstehen, weshalb Ihre Frau oder Freundin diesen Partnerschaftswechsel vorgeschlagen hat. Nur, wenn Sie herausfinden, was die Beweggründe sind und wie Sie gemeinsam von einem guten Gefühl profitieren, kann diese Entscheidung auch langfristig fruchten.