14 Dinge, die Du wissen musst, wenn Dein Partner Depressionen hat

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Depressionen sind nicht nur für denjenigen schlimm, der sie hat. Auch der Partner hat sein Päckchen zu tragen. Er leidet nicht selbst an den düsteren Gefühlen, aber er leidet an der düsteren Stimmung. Auch ihn überfällt die Schwermut, die in die Beziehung einkehrt, und es belastet ihn. Denn wenn die Depression ausbricht, werden fröhliches Lachen, schöne Stunden zu zweit und gemeinsame Unternehmungen zur Seltenheit.

Unbeschwerte Lebensfreude ist ein Fremdwort. Die Eigeninitiative des Partners ist wie weggewischt. Vorher war da ein aktiver Mensch war, der Beruf und Alltag bewältigen konnte. Jetzt ist da ein lustloser Pessimist, der sich durch den Tag schleppt. Der Job fällt ihm schwer, und zu Hause ist er nur noch müde. Manche Menschen durchleben einmal im Leben eine Depression, andere haben immer wieder depressive Phasen.Das hängt davon ab, woher die Depression kommt.

Vielleicht hat ein tiefgreifendes Erlebnis die Person für eine Zeitlang aus der Bahn geworden, so dass sie depressiv geworden ist. Diese Depressionen sind meist nur mit Hilfe zu bewältigen. Vielleicht hat sie aber auch eine Neigung zur depressiven Verstimmung als Veranlagung mit ins Leben bekommen. Woran auch immer es liegt, einige Dinge sind wichtig zu wissen. Wenn Du einen depressiven Partner hast, helfen Dir diese Informationen weiter.

  1. Depressionen sind keine Launen

Eine Depression ist eine Krankheit. Es ist nicht die Traurigkeit, die man einem Ereignis oder einer Situation zuordnen kann und die dann wieder verschwindet. Es ist nicht die ganz normale Trauer, die einem Verlust folgt. Es ist nicht eine melancholische Anwandlung, weil man beispielsweise die Dunkelheit im Winter nicht gut verträgt. Es ist eine ernst zu nehmende Erkrankung, mit der die betroffene Person morgens aufsteht und abends schlafen geht.

Natürlich können schlimme Erlebnisse eine Depression noch verstärken. Eine Depression sollte grundsätzlich behandelt werden. Es gibt Fachärzte, die sich damit auskennen. Im allerschlimmsten Fall schleichen sich Suizidgedanken ein. Schon deshalb ist professionelle Hilfe gefragt. Eine Krankheit kann niemals von einem Partner geheilt werden, und diese schon gar nicht.

Gedenkrose auf Schiene nach Suizid

  1. Depressionen äußern sich auch körperlich

Eine Depression drückt sich nicht nur in seelischen Qualen aus. Sie kann viele weitere Auswirkungen haben. Der Mensch hat keinen Appetit mehr, er isst weit weniger als vorher. Er kann seine Aufmerksamkeit nicht mehr gut aufrechterhalten. Er entwickelt Einschlaf- oder Durchschlafstörungen.

Viele depressive Menschen sind nicht nur antriebslos, sondern gleichzeitig auch rast- und ruhelos. Die Energie zum Durchhalten geht verloren. Zusätzlich können fast überall im Körper unerklärliche Schmerzen auftreten. Vom Kopf über innere Organe bis zum Bewegungsapparat kann alles betroffen sein.

Körperliche Krankheiten durch Depressionen

  1. Eine Depression ist kein Zeichen von Schwachsein

Die Schwermut und die übergroße Traurigkeit sind nicht Ausdruck eines schwachen Charakters. Dein Partner lässt sich nicht hängen. Es gibt nichts, was ihm vorzuwerfen wäre. Viel depressive Partner versuchen, ihren kritischen Zustand herunterzuspielen. Sie wollen nicht als Schwächling dastehen und den anderen nicht belasten.

Doch die vielen negativen Gefühle bleiben natürlich auch nicht verborgen. Deshalb ist es wichtig, sie als Auswirkung der Krankheit und nicht als Eigenschaft des Menschen anzusehen. Es hilft, dem Partner das auch so mitzuteilen. Sein depressiver Zustand ist beunruhigend und schwierig, aber er ist nicht der Kern seiner Persönlichkeit.

Gedanken, Schmerzen, Verzweiflung

  1. Auch depressive Menschen haben gute Tage

Depressionen sind nicht immer gleich. Während des Krankheitsschubs können die belastenden Emotionen zurücktreten. An manchen Tagen erscheint der Partner dann völlig ausgeglichen und normal. Man muss jedoch darauf gefasst sein, dass er wenig später wieder in seine düstere Stimmungslage zurückkehrt. Die Krankheit zeigt sich oft in dieser Weise unberechenbar. Auf den gesunden Partner wirkt das regelrecht hinterhältig.

Lichtblicke wärend den Depressionen

  1. Akzeptanz hilft dem Partner

Menschen mit Depression geben meistens ihr Bestes, um den krankhaften Zustand zu überwinden. Sie möchten, dass ihr Partner ihnen das glaubt. Es kann durchaus Rückschläge und Misserfolge geben. Das ist bei jeder anderen Erkrankung auch der Fall. Es ist keine mangelnde Disziplin oder Trotz. Es ist der Kampf mit einer psychischen Belastung. Wenn man das einfach nur akzeptiert, ist schon viel geholfen.

Der Mensch mit Depression möchte im Grunde normal behandelt werden, er braucht keine Mitleidsbekundungen und keine übergroße Aufmerksamkeit. Es tut ihm gut, dass man ihn so nimmt, wie er nun mal gerade ist. Wenn Du deinem Partner jedoch Vorwürfe machst, wird er mit hoher Wahrscheinlichkeit Dich unterbewußt mit den negativen Erlebnissen in Verbindung bringen. Ein Scheitern ist dann meist schon vorprogrammiert.

Depressionen sollten von allen Beteiligten aktzeptiert werden

  1. Kreative Tätigkeiten unterstützen die Heilung

Depressive Menschen leben in einer anderen Welt. Sie haben ihre eigene – schlimme – Wirklichkeit, zu der der Partner keinen Zugang hat. Niemand Gesundes weiß oder kann auch nur ansatzweise nachempfingen, welchen Druck und Schmerz die Depression erzeugt. Doch die Erkrankung bringt oft auch eine ganz andere Seite mit sich.

Viele nehmen ihre Umwelt sehr klar und mit großer Empfindsamkeit wahr. Viele depressive Menschen werden früher oder später kreativ. Sie fangen an zu schreiben, zu malen oder etwas zu bauen. Sie ziehen sich damit zwar zurück, doch sie bearbeiten so ihre innere Wirklichkeit. Oft beginnt damit eine heilsame Phase. Wenn Dein Partner plötzlich mit solchen Dingen beginnt, dann unterstütze ihn darin!

Der Schmerz der Gedanken und Gefühle

  1. Aktivitäten in Maßen sind förderlich

Alle Menschen haben große Angst davor, verlassen zu werden. Dieses Gefühl ist bei Menschen mit Depressionen jedoch besonders stark. Es ist daher sehr wichtig, mit ihnen darüber zu reden. Sie sollen wissen, dass die Krankheit kein Grund zur Trennung ist. Sie werden nicht allein gelassen. Gleichzeitig sollen sie immer wieder zu gemeinsamen Aktivitäten motiviert werden.

Von einem kleinen Spaziergang bis zum Treffen mit Freunden ist alles gut für sie. Das wissen sie nur nicht in jeder Situation. Sie brauchen gutes Zureden und ein wenig liebevolles Drängen, bis sie in Bewegung kommen. Dem gesunden Partner hilft die Kenntnis, dass auch kleine Aktionen sehr anstrengend für den depressiven Menschen sind. Dann überfordert er ihn nicht mit seinen Vorschlägen.

Aktivitäten mit Freunden

  1. Menschen im Umfeld sollen informiert werden

Freunde und Verwandte sollen wissen, dass der Partner depressiv ist. Es muss ihnen klar sein, dass er nicht einfach nur schlechte Laune hat. Es soll auch sichergestellt sein, dass er von unbedachten Äußerungen verschont bleibt. Unsensible Hinweise wie „Es gibt viel Schlimmeres“ oder „Lass dich mal nicht so hängen“ sind absolut kontraproduktiv.

Zusammenkünfte im sozialen Umfeld sollten immer eine positive Grundstimmung haben. Unternehmungen sollen zeigen, dass es viele Dinge gibt, die Freude machen. Menschen mit Depressionen grübeln nicht nur, sie reflektieren auch mehr als andere. Daher können sie sich auch gut bewusst machen, was ihnen wieder Kraft gibt.

Menschen mit Depressionen reflektieren

  1. Strukturierte Abläufe erleichtern das Leben

Organisiere den Tagesablauf überschaubar, damit hilfst Du Deinem depressiven Partner sehr gut. Wenn man in einer Welt voller schwarzen Wolken lebt, kann man den Alltag nicht mehr gut überblicken. Zuverlässige, immer wiederkehrende Vorgänge geben ihm Halt. Frühstück immer zur gleichen Zeit erleichtert das Aufstehen, ein Rundgang am Abend schließt den Alltag akzeptabel ab. Es reicht nicht, dass die Arbeit eine Struktur vorgibt. Das Zuhause sollte ebenfalls verlässliche Routinen bereithalten.

Dunkle Wolken im Alltag

  1. Gespräche mit Therapeuten sind wichtig

Wenn der Partner in Behandlung ist, sprich auch Du mit dem Therapeuten. Er kann wichtige Hinweise geben, wie das Gesundwerden unterstützt werden kann. Sprich ruhig auch darüber, was für Dich schwierig ist. Und natürlich ebenso, was Dir an Hilfsmaßnahmen leichtfällt.

Gespräche mit einem Psychologen bei Depressionen

  1. Du als Partner kannst nichts für die Depression

Für den Partner eines depressiven Menschen ist es immer von neuem nötig, sich vor Augen zu führen, dass er nichts für diese Krankheit kann. Der Partner ist nicht krank, weil Du etwas falsch gemacht hast. Du oder Dein Verhalten ist nicht die Ursache für die tiefe Schwermut.

Es ist seine Aufgabe, sich mit dieser Krankheit auseinanderzusetzen und alles zu tun, damit er wieder gesund wird. Du kannst mit ihm, aber nicht für ihn diese Aufgabe bewältigen. Du kannst mit ihm die schwierige Zeit durchleben, aber Du kannst nicht an seiner Stelle Therapien machen und Medikamente nehmen. Das muss er selbst tun.

Du bist nicht schuld

  1. Denke auch an Dich selbst

Der Partner sollte immer auch an sich selbst denken. Seine Bedürfnisse sind schließlich genauso wichtig wie die des anderen. Nicht nur der depressive Partner wird nach seinen Empfindungen und Belangen gefragt, auch der gesunde Part hat ein Recht darauf, auf seine eigenen hinzuweisen. Vielleicht braucht er in dieser Zeit auch die Hilfe eines Profis.

Denk an Dich selbst

  1. Vernachlässige nicht Deine eigenen Aktivitäten

Für den kranken Partner ist es grundsätzlich vorteilhaft, wenn es dem gesunden gut geht. Die Beziehung wird stabilisiert, wenn Du für Dich sorgst und nicht Deine Bedürfnisse hintenanstellst. Geh also Deinen Hobbys nach, triff Deine Freunde und vernachlässige Deine sozialen Kontakte nicht.

Oft ist dem depressiven Menschen bewusst, dass ihm total aufopferndes Verhalten nur noch mehr Schuldgefühle machen würde. Du hilfst ihm nicht, wenn Du Dich selbst vernachlässigt. Du brauchst von Zeit zu Zeit energetische Aufladung, um die Depressionsphase des Partners durchzustehen. Gönn Dir also die schönen Dinge, die Dir Freude machen!

  1. Akzeptiere Deine Gefühle

Deine Gefühle sind Deine Gefühle. Du hast ein Recht auf sie. Sie sind nicht gut oder schlecht. Wenn Du Dich manchmal überfordert fühlst, ist das ganz normal und völlig in Ordnung. Vielleicht bist Du auch mal richtig wütend oder ärgerlich. Schließlich kann man nicht nur auf den anderen eingehen. Das brauchst Du ja auch gar nicht. Akzeptiere Deine Gefühle. In jeder Beziehung gibt es einmal solche Emotionen. Aber sorge dafür, dass Du darüber reden kannst.

Das Leben in einer Beziehung ist nicht leicht, wenn eine Depression Einzug gehalten hat. Aber sie geht vorüber. Der Partner wird nicht ewig so teilnahmslos und freudlos bleiben. Du kannst Dir immer in Erinnerung rufen, dass es ja mal anders war. Es gab eine Zeitspanne, in der er sich von einem aktiven in einen passiven Menschen verwandelt hat. Das wird sich wieder umkehren. Wenn die Krankheit vorüber ist, wird der aktive Mensch wieder das Ruder seines Lebens ergreifen.

Du kennst ja nicht nur die depressive Seite des anderen, sondern auch die gesunde. Du weißt, dass die anderen Eigenschaften verschüttet sind. Aber sie sind nicht weg, sie sind nur überlagert. Sie werden in der Beziehung auch wiederauftauchen. Wie bei einer anderen schweren Krankheit auch, braucht das halt seine Zeit.

Licht am Ende des Tunnels. Auch eine Depression kann vorbei gehen.

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About Author

Verena Günther-Gödde

Verena Günther-Gödde hat ihren Hang zum geschriebenen Wort in einer Buchhändlerlehre ausgelebt und dabei kaufmännische Grundkenntnisse erworben, ihre Leidenschaft für die deutsche Sprache in einem Germanistik-Studium umgesetzt und ihr gesellschaftspolitisches Interesse im Fach Soziologie mit Kenntnissen untermauert. Der Drang, Wissen unter die Menschen zu bringen, führte sie in die Erwachsenenbildung und die Liebe zur Darstellung zur Öffentlichkeitsarbeit. Selbst zu texten reizte sie schon früh. Davon legen einige literarische Beiträge öffentliches und anonymes Mitwirken stilles Zeugnis ab. Privat liebt sie ihren zweibeinigen Partner, ihren Partner auf vier Pfoten, Mutter Natur und Tiere.

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