BDSM – lustvoller Schmerz mit wichtigen Geboten

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Lustschmerz, Bestrafung, Fesselung und mehr: Die Welt von BDSM entführt ihre Anhänger zu einem lustvollen Erlebnis. Immer mehr Menschen erkennen ihre Vorliebe für den sogenannten “Kinky Sex”. Was steckt hinter BDSM und Sadomasochismus? Wie kann man dieses erotische Erlebnis noch intensiver und sicherer gestalten? Wir erklären die Grundzüge des BDSM!

Was bedeutet die Abkürzung BDSM?

BDSM ist eine Abkürzung für die sechs Kernaspekte des erotischen Spiels mit der Macht. Dabei stehen jeweils zwei Buchstaben für ein Thema. Die verschiedenen Praktiken sind allerdings nicht voneinander abgegrenzt, sondern kommen in der Praxis fast immer im Zusammenspiel vor:

  • Bondage & Disziplin
  • Dominanz und Subordination (Unterordnung)
  • Sadismus und Masochismus

BDSM kam etwa in den 1970er Jahren auf und hat sich besonders mit der Verbreitung des Internets aus der Nische heraus entwickelt. Während die Lust am Schmerz noch bis in die 90er als verpönt und pervers galt, ist sie spätestens seit dem Erfolg des Romans “50 Shades of Grey” in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Allerdings genießt die Geschichte um Anastasia Steele und Christian Grey keinen guten Ruf in der BDSM-Szene, da im Buch unsichere Praktiken gezeigt werden, die mit dem sicheren, vernünftigen und einvernehmlichen Sadomasochismus nicht viel zu tun haben.

Bondage und Disziplinierung: Kunstvolle Erziehung

BDSM - Frau mit Handschellen

Bondage und Disziplinierung bilden kein perfekt zusammenpassendes begriffliches Paar. Beide Aspekte haben nicht so viel miteinander zu tun wie die anderen Bestandteile des Begriffs BDSM.

Bondage ist die beeindruckende Kunst des Fesselns. Vom weichen Seidentuch bis hin zu strammen Seilen dreht sich hier alles um die Bewegungseinschränkung, die viele Männer und Frauen als hocherotisch empfinden. Dabei spielt die Einwilligung und Einvernehmlichkeit der Fesselung eine große Rolle. Während der Bondage-Session übergibt der devote Part die Macht an den aktiven Partner, den man als Top oder Dom bezeichnet. Oftmals fesselt man beim Liebesspiel zum Lustgewinn, aber gerade bei den kunstvollen japanischen Fesselungen geht es auch um den ästhetischen Aspekt.

Die Disziplinierung dagegen bezeichnet alle Spielarten, die sich um die erotische “Erziehung” drehen. Dabei kommen Züchtigungsinstrumente wie Gerten, Peitschen oder auch die flache Hand zum Einsatz. Der Schmerz wird vom Empfänger dabei als lustvoll empfunden. Die Intensität variiert vom leichten Klaps auf den Po bis hin zu richtigen Schmerzen. Allerdings geschieht auch hier alles im gegenseitigen Einvernehmen und nach dem Grundsatz “Safe, Sane, Consensual“ (sicher, mit gesundem Menschenverstand und freiwillig).

Dominanz und Subordination: Der Geschmack der Macht

Unter das zweite Begriffspaar fallen erotische Rollenspiele aus dem BDSM-Spektrum. Während Disziplin die körperliche Züchtigung und Erziehung abdeckt, steht hier das ungleiche Machtverhältnis der Partner im Vordergrund. Der dominante Partner (der Herr oder die Domina) übernimmt dabei die Macht über den Sub oder Bottom.

Die Unterordnung, aber auch die machtvolle Position innerhalb des Paares sind die Kernbestandteile der Lust an dieser Art der Erotik. Die Bandbreite der verschiedenen Praktiken ist bei der Dominanz und Unterwerfung besonders groß – von der begrenzten Machtübernahme für eine BDSM-Session bis hin zu einer kompletten Beziehung auf Basis der erotischen Vorlieben ist hier alles möglich.

Sadismus und Masochismus: Sinnliche Schmerzen

Wenn Dominanz und Unterwerfung die psychischen Komponenten von BDSM abdecken, so steht der Sadomasochismus für den körperlichen Anteil. Auch die Überschneidungen mit der Disziplin sind hier sehr groß. Es geht um den sinnlichen Schmerz: Sadisten genießen das Zufügen von Schmerzen, während Masochisten das Empfangen von Schmerzen lieben.

Dabei kommen die unterschiedlichsten Methoden zum Einsatz. Beliebt sind Sinnesreize aller Art, vor allem Schmerzen durch Gerten oder Peitschen, aber auch Hitzereize wie flüssiges Wachs oder die Kälte eines Eiswürfels. Nippelklemmen, Wartenbergräder oder anderes Zubehör darf ebenfalls bei keiner Session fehlen.

Was ist so erotisch an BDSM?

Es ist schwer zu sagen, wie viele Menschen die Lust am Schmerz verspüren. Manche Studien gehen von bis zu 25 Prozent in der Bevölkerung aus. Allerdings zählen da auch die Paare dazu, die im heimischen Schlafzimmer einmal mit leichtem BDSM experimentieren und sich selbst nicht zur Szene zählen.

Trotzdem stellt sich da die Frage, was den Reiz an BDSM ausmacht. Viele aktive Anhänger dieser Facette der Erotik betonen dabei das vollkommene Vertrauen, das zwischen den Partnern herrschen muss, um sich Schmerzen zufügen zu lassen. Auch das Abgeben der Macht und der Selbstkontrolle für einen bestimmten Zeitraum kann sehr reizvoll sein. Schmerzen sorgen zusätzlich für eine Ausschüttung von Endorphinen, die den Orgasmus beflügeln sollen.

Die 10 Gebote des Spiels mit Schmerz und Lust

  1. Kein BDSM ohne Regeln! Sicher, vernünftig und einvernehmlich – das sind die drei Grundpfeiler des BDSM, die niemals ignoriert werden sollten.
  2. Wer sich an eine BDSM-Session wagt, sollte unbedingt die persönlichen Grenzen kennen und sie auch klar kommunizieren können. Die eigenen physischen und psychischen Schmerzgrenzen sind genau so wichtig wie die des Partners.
  3. Ein gutes Vorgespräch ist ein essenzieller Bestandteil für ein erotisches Spiel! So kann man nicht nur über seine eigenen Grenzen sprechen, sondern auch die Bedingungen des Partners kennenlernen und verstehen.
  4. Safewords ausmachen! Ein Safeword ist ein Wort, das ausgesprochen zum sofortigen Ende der BDSM-Session führt und das unbedingt respektiert werden muss. Eine Alternative ist die Ampelregelung, mit den der unterwürfige Partner angeben kann, wie wohl er oder sie sich gerade fühlt.
  5. Rollenklischees waren gestern! Eine Frau kann genau so gut die dominante Rolle ausüben wie ein Mann (wie die zahlreichen professionellen Dominas beweisen). Aber auch als devoter Partner machen beide Geschlechter eine gute Figur.
  6. Bitte nicht übertreiben! Man kann mit dem Partner die eigenen Grenzen hin und wieder austesten und vielleicht sogar erweitern, aber man sollte niemals zu weit gehen – auch nicht beim Höhepunkt der Lust!
  7. Vorsicht bei neuen Toys und Spielzeugen! Eine Peitsche oder Gerte kann durchaus Spuren hinterlassen, wenn man nicht vorsichtig ist. Daher lieber langsam starten und langsam die Intensität steigern.
  8. Übung macht den Meister! Besonders bei Fesselspielen sollte man mit den einfachen Knoten beginnen, aus denen sich der Partner im Notfall auch selbst befreien kann, bevor man weiterführende Techniken verwendet.
  9. Aftercare ist enorm wichtig! Nach einer BDSM-Session sollte der aktive, dominante Partner dafür sorgen, dass beide sich wohlfühlen und das Erlebnis Revue passieren lassen können. Kuscheln, Streicheleinheiten oder andere Methoden für mehr Wohlbefinden stehen hier auf dem Stundenplan.
  10. Beim BDSM geht es um die gemeinsame Lust. Das heißt aber nicht, dass der Geschlechtsverkehr unbedingt dazugehört. BDSM macht auch ohne Sex oder Orgasmus Spaß!
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Über die / den Autor/in

Carolin Kresse

Weibliche Lust ist für sie das wichtigste Thema ihrer Arbeit. Eine erfüllende Partnerschaft macht das Leben einfach schöner - und dazu gehören eine offene, liebevolle Kommunikation, viel Mühe auf beiden Seiten und ein befreiter Umgang mit der eigenen Sexualität.

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