Was sind Kryptonit-Menschen?

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Kryptonit-Menschen sind Menschen, die an uns kleben wie Pattex. Ein Kryptonit ist wie ein Schatten im Leben. Mal ist seine Erscheinung größer, mal kleiner. Mal belastet er mehr, mal weniger. Nur geht er leider nie weg. Er war typischerweise ein realer Teil des Lebens, bevor eine Trennung erfolgte. Danach geistert er ständig im Hirn herum.

Besonders schlimm ist es, wenn man ihm tatsächlich noch begegnet. Er wohnt im gleichen Ort oder sogar in der Nähe, ein zufälliges Treffen ist unvermeidlich. Manchmal handelt es sich um den allerersten Partner, den man hatte. Es kann auch die himmelhochjauchzende Liebe sein, die nicht lange hielt.

Es kann sogar jemand sein, den man schon immer heimlich angehimmelt hat. Meistens ist es jemand, mit dem man eine Zeitlang zusammen war. Auf alle Fälle ist es ein Mensch, zu dem man eine sehr tiefe innere Beziehung hatte. Und leider immer noch hat. Denn der Kryptonit-Mensch verlässt Dich nie. Er ist wie ein innerer Stalker, und Du wirst ihn nicht los.

Weil Du nämlich an ihm hängst wie eine Klette. Man gewährt dem Kryptonit-Menschen einen Logier-Platz ersten Ranges im eigenen Herzen. Magisch fühlt man sich zu ihm hingezogen, auch wenn er schon lange weg ist. Das ist die Tragik.

Warum heißt es Kryptonit-Mensch?

Der Begriff führt uns in die Welt der Fiction-Figur Superman. Da gibt es einen Stoff namens Kryptonit, der den großen Helden außer Gefecht setzen kann. Es gehört zu dem Wenigen, was ihm schadet. Dafür ist es aber umso gefährlicher. Es kann Verletzungen zufügen und sogar tödlich wirken. Das ist die Bruchstelle, die der Autor sich für den Hero ausgedacht hat. Nun steht der Begriff für denjenigen, für den wir immer wieder schwach werden. Der menschliche Kryptonit ist die Bruchstelle, die unsere Seele verkraften muss.

Das schwierige Leben mit einem Kryptonit-Menschen

Der Kryptonit scheint eine eingebaute Macht zu haben. Wie zu einem Magnet strebt man immer wieder zu ihm hin, und das trotz besseren Wissens. „Es gab so viele Verletzungen“ sagt der Verstand. „Na und? Es gab so viele schöne Momente“ sagt das Gefühl. „Du weißt doch, dass es nicht gut geht.“ Der Verstand probiert es nochmal. „Aber ein neuer Versuch bringt vielleicht eine ganz neue Erfahrung.“ Das Gefühl kontert geschickt zurück. So geht das hin und her.

Männer tun sich besonders schwer, wenn Sie einen Kryptonit-Menschen haben.

Unglücklicherweise bis ins Unendliche. Man sollte erwarten, dass nach einer Trennung ein ganz normaler Prozess einsetzt. Ärger, Wut, Trauer, Abwendung und zu guter Letzt Verarbeitung. Was einmal war, ist vorbei und es gibt Raum für etwas Neues. Aber nicht bei einem Kryptonit-Menschen im Nacken. Mit ihm kennt man Schmerz, Trauer und eine unendliche Sehnsucht nach ihm zurück. Die Gedanken lassen sich nicht kontrollieren.

Immer wieder wandern sie zu dem Menschen hin, der diese unerklärliche unermessliche Anziehungskraft ausstrahlt. Unzählige On-Off-Beziehungen sind Zeugen dieser großen Zerrissenheit. Eine klare Entscheidung ist so gut wie unmöglich.

Was bewirken Kryptonit-Menschen?

Wenn man nur wüsste, WIE der Kryptonit-Mensch seine magische Anziehungskraft entfaltet! Das ist ein Rätsel. Doch was er bewirkt, das spürt man nur zu gut. Kaum hat man ihn vergessen, wird man durch die kleinste Kleinigkeit an ihn erinnert. Der Grieche, bei dem man das erste Mal mit ihm essen war. Das Sweatshirt im Schaufenster sieht aus wie seins. Schon ein Geruch löst die alten Gefühle wieder aus. Gegenwehr ist zwecklos. Es ist ein Reflex.

Weihrauch erinnert an die Kirche, Tannennadelduft an Weihnachten, und Zedernholz eben an das Parfüm oder Rasierwasser des Kryptonit-Menschen. Das Kopf-Kino startet sein Programm, die Gefühlswelt spielt verrückt. Die schönsten Momente mit ihm erleben ihre Wiederauferstehung vor dem inneren Auge. Die unglücklichsten muss man zwangsweise herbeizitieren. Würde man ihm jetzt begegnen, gäbe es kein Halten mehr. Mit ihm von hier bis zum Mond? Ohne Frage. Sofort.

Probleme in einer neuen Beziehung

Der Kryptonit-Mensch ist ja gerade der Mensch, mit dem eine Beziehung nicht möglich ist. Wer einen hat, möchte aber trotzdem eine Partnerschaft leben. Es ist auch sehr wahrscheinlich, dass dieser Fall eintritt. Doch nun knallt der Kryptonit-Mensch immer wieder in die neue Beziehung hinein. Das macht er genauso, wie er es vorher getan hat. Man sieht ihn tatsächlich in der Kneipe um die Ecke, oder bestimmte Dinge erinnern an ihn. Gemeinerweise vornehmlich alltägliche.

Es ist wie eine Wunde, die nie ausgeheilt ist. Intensive Erinnerungen brechen sich Bahn. Das sind vor allem angenehme und manchmal auch unangenehme. Man kann ekstatische Momente wiedererleben, aber auch schmerzliche. Vor allem aber zieht Dich das unsichtbare Band wieder zu ihm hin. Als wäre es ein Naturgesetz, so etwas wie die Schwerkraft. Man wird so davon überschwemmt, dass der neue Partner es bemerkt.

Auch Frauen können Ihre Geanken nicht mehr Steuern mit einem Kryptonit-Menschen

Denn eine eigenartige Stimmung lässt sich auf die Dauer nicht verbergen. Man gleitet gedanklich und emotional in eine andere Welt ab. Der Kryptonit hat genau wieder die Bruchstelle getroffen, die er verursacht hat. Es muss gar nicht sein, dass man den neuen Partner mit ihm vergleicht. Es ist wie eine zweite Welt, die sind über die Wirklichkeit stülpt.

Kann man mit dem Kryptonit-Menschen leben?

Ja, man kann. Ganz klar. Aber man muss etwas dafür tun und es wird alles andere als leicht. Der erste Schritt ist Akzeptanz, dass es ihn gibt. Der zweite, sich die Gefühle bewusst zu machen. Es ist in Ordnung, dass man sie hat. Man muss sie nicht bekämpfen. Aber man muss sich auch nicht von ihnen besiegen lassen. Wenn man weiß, auf welche Situationen oder konkrete Dinge man reagiert, kann man sich sogar wappnen. Selbstverständlich gibt es auch noch den Verstand.

Der sagt, dass die Gefühlswellen zwar kommen, aber auch wieder gehen. Dass man einen Kryptonit-Menschen als einen Schatten ansehen kann, der mal groß und mal klein ist. Aber es ist trotzdem nur ein Schatten, der selbst gar nicht agieren kann. Man bestimmt immer noch selbst darüber, was das Wichtigste im eigenen Leben ist. Man kann dem Kryptonit-Menschen einen Platz im Leben zuordnen, der weit hinten steht. Genau das nimmt ihm seine übergroße Macht. ABER es ist nicht einfach.

Eine neue Beziehung trotz Kryptonit-Menschen

    • Wenn der Partner auch einen Kryptonit-Menschen hat, ist es einfacher. Jeder weiß, was der andere durchmacht. Man braucht keine großen Worte darüber zu verlieren. Man muss ihm auch nicht seine volle Bezeichnung gönnen. „Ach, der Krypto war mal wieder da“ – das reicht schon. Du kannst ihm auch einen Namen geben. „Mäxchen hat mal wieder vorbeigeschaut“. Das macht ihn beherrschbarer. Es ist auch gut, von ihm in der Vergangenheit zu reden. Also dann, wenn der Erinnerungs-Anfall vorbei ist. Man kann von ihm sprechen wie von einem penetranten kleinen Gesellen, der immer wieder kommt. Wer es fertigbringt, denkt an eine Art Maulwurf. Wirklich sehr niedlich und liebenswert, aber doch sehr lästig. Natürlich kostet das Kraft, es ist psychische Arbeit. Aber sich nur in die Gefühle hineinfallen lassen gilt nicht. Es hilft nicht weiter.
    • Hat der Partner keinen Kryptonit-Menschen, wird es schwieriger. Es besteht die Gefahr, dass er einen falschen Eindruck bekommt. Als wäre die andere Beziehung nicht beendet. Wer das Phänomen nicht kennt, kann es ja kaum verstehen. Es ist leicht gesagt, dass man in einer guten Beziehung über alles reden kann. Denn es gilt eine Balance zwischen Ehrlichkeit und Verletzung zu finden. An erster Stelle steht, die Erscheinungen sofort der Vergangenheit zuzuordnen. Man würde ja nicht wirklich mit dem Krypto-Menschen durchbrennen. Ein Partner kann akzeptieren, dass er nicht der Erste ist. Er kann nur nicht akzeptieren, dass er nicht der Einzige ist. Deshalb ist es wichtig, den Krypto-Menschen ins Reich der Schatten zu verweisen. Da gehört er hin. Denn man lebt im Hier und Jetzt, mit allen Vorzügen der neuen Partnerschaft. Natürlich kann man sagen, dass man gerade eine ganz intensive Erinnerung hatte. Aber man muss nicht in den Vordergrund stellen, um wen genau es sich handelt. Man kann von einem Déjà-vus reden. Der Partner soll auch nicht als Therapeut tätig werden. Deshalb gilt: Mit dem Partner so viel wie nötig darüber reden und so wenig wie möglich. Hilfreich ist es aber, mit einem Dritten zu reden. Einem guten Freund, einer guten Freundin oder einem Profi. Dem kann man erzählen, was alles so unangenehm ist mit dem Kryptonit-Menschen. Man kann sich klarmachen, was alles so angenehm ist mit dem neuen Partner. Denn der zählt. Sollte man der Versuchung des Vergleichs mal unterliegen, dann steht der Partner auf der Gewinnerseite.
    • Ist Dir schon mal in den Sinn gekommen, dass Du selbst ein Kryptonit für jemand anderes sein kannst? Ein Kryptonit-Mensch muss die Gefühle des anderen ja nicht erwidern. Wer weiß, wer heute noch von Dir träumt. Wollen wir hoffen, dass er – oder sie – in einer neuen Beziehung gut zurechtkommt!

 

 

 

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About Author

Verena Günther-Gödde

Verena Günther-Gödde hat ihren Hang zum geschriebenen Wort in einer Buchhändlerlehre ausgelebt und dabei kaufmännische Grundkenntnisse erworben, ihre Leidenschaft für die deutsche Sprache in einem Germanistik-Studium umgesetzt und ihr gesellschaftspolitisches Interesse im Fach Soziologie mit Kenntnissen untermauert. Privat liebt sie ihren zweibeinigen Partner, ihren Partner auf vier Pfoten, Mutter Natur und Tiere.

1 Kommentar

  1. Danke für den Artikel,

    endlich weiß ich was bei mir los ist. Ich habe anscheinend so einen Kryptonit-Menschen aber wußte nicht, dass man sie so nennt und dass sie so wirken. Ich dachte immer, dass bei mir einfach was nicht stimm 🙁

    LG Michi