Die Phasen bei einer Trennung

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Trennungsschmerz gehört zu den grundlegenden Erfahrungen, die einen Menschen in eine schwere Krise stürzen können. Wenn Paare auseinander gehen, durchleben beide Partner eine schlimme Phase, auch wenn die Initiative nur von einem ausgeht. Doch am härtesten trifft es immer den, der verlassen wird. Wissenschaftler haben festgestellt, dass so eine psychische Belastung mit dem Verlust eines Menschen vergleichbar ist, der einem nahestand und der verstorben ist. Eine Art von Trauerarbeit muss nämlich auch geleistet werden, wenn man seine zwischenmenschliche Beziehung verliert.

Nun ist es nicht so, dass auf einmal alles ganz schlimm ist und man dann plötzlich irgendwann feststellt, dass man doch alles verkraftet hat. Vielmehr verläuft die Entwicklung in mehreren Phasen.

Phase 1: Man kann es nicht glauben

In dieser Phase kann man schlicht nicht glauben, was einem geschieht. Es ist, als müsste man gleich aus einem bösen Traum erwachen. Man hofft auf ein Signal, dass der andere es nicht so gemeint hat. Er soll auch sehen, wie miserabel sich der verlassene Teil fühlt. Noch wird keinem im Freundeskreis von der neuen Situation erzählt. Die Hoffnung, dass die Partnerschaft noch gerettet wird, ist zu groß.

Phase 2: Die Wirklichkeit bricht sich Bahn

Der Zeitpunkt ist gekommen, in dem man die Augen vor der Realität nicht mehr verschließen kann. Eine Welt bricht zusammen. Werte, an die man geglaubt hat, werden sinnlos. Der Alltag wird nur noch mit Mühe bewältigt. Der Schmerz erscheint unermesslich groß. Es kann sein, dass man an irgendeinem Ort plötzlich in Tränen ausbricht. Mehrere starke Gefühle stürzen auf einmal auf den verlassenen Menschen herein. Große Traurigkeit überkommt ihn zusammen mit Wut, Angst und Zorn lösen sich ab. Innere Einsamkeit breitet sich aus. Die Situation wird als hoffnungslos empfunden. Viele suchen dann Tipps gegen den Liebeskummer und bei manchen Menschen setzt eine Depression ein.

Phase 3: Rettungsversuche werden gestartet

Nagende Zweifel an der eigenen Person gehen noch einmal zurück, ein neuer Hoffnungsschimmer entflammt. Vielleicht ist doch noch etwas zu retten. Der zurückgelassene Part ist bereit, an eine Wunderheilung der Beziehung zu glauben. Je nach Persönlichkeit fängt er an zu betteln, Änderung seines Verhaltens zu versprechen oder auch Erpressungsversuche zu starten. Das kann bis zu Drohgebärden gehen. Wenn die Erkenntnis folgt, dass alles nicht hilft, setzen erneut die Gefühle aus Phase 2 ein, doch in abgeschwächter Form.

Phase 4: Licht erscheint am Ende des Tunnels

Die Trennung ist im Kopf angekommen und die Gefühlswelt ordnet sich langsam. Die Emotionen werden beherrschbarer. Man erinnert sich an das Vergangene und macht sich gute und schlechte Zeiten noch einmal bewusst. Der Alltag tritt wieder mehr in den Vordergrund. Man wird ohne den Partner aktiv und kann bei manchen Dingen wieder Freude empfinden. Langsam entfernt man sich innerlich von ihm und baut Distanz auf. Eigene Interessen werden wach, denen man verstärkt nachgeht. Ein Leben ohne den Partner wird vorstellbar.

Phase 5: Die Erfahrung wird verarbeitet

In der letzten Phase nimmt die verlassene Person das Geschehene an. Sie kann jetzt auch erkennen, was an der ganzen Entwicklung gut für sie war. Die Trauerarbeit ist vorbei, das Leben als Single wird akzeptiert. Man lässt den ehemaligen Partner innerlich los und findet sein seelisches Gleichgewicht wieder. Ein neuer Abschnitt im Leben beginnt, und zwar mit innerer Stärkung. Man sieht sich selbst nicht mehr als Alleingelassenen an. Sogar eine Beziehung mit jemand anderem kann man sich wieder vorstellen kann.

Solltest Du einmal in eine solche Situation geraten, die Du Dir bestimmt nicht erträumt hast, dann kannst Du jetzt konkret nachvollziehen, was in Dir vorgeht. Es hilft, wenn man weiß, in welcher Phase man ist. Eins steht fest: Irgendwann hat es nicht nur das Zusammensein ein Ende, sondern auch der seelische Schmerz.

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About Author

Verena Günther-Gödde

Verena Günther-Gödde hat ihren Hang zum geschriebenen Wort in einer Buchhändlerlehre ausgelebt und dabei kaufmännische Grundkenntnisse erworben, ihre Leidenschaft für die deutsche Sprache in einem Germanistik-Studium umgesetzt und ihr gesellschaftspolitisches Interesse im Fach Soziologie mit Kenntnissen untermauert. Privat liebt sie ihren zweibeinigen Partner, ihren Partner auf vier Pfoten, Mutter Natur und Tiere.

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